Forschungsförderung zu Post/Long Covid und ME/CFS
Frage an die Bundesregierung
Wie viele finanzielle Mittel stellt die Bundesregierung 2025 und 2026 zur Verfügung um die medizinische Versorgung der – Schätzungen von Experten zufolge – mindestens 1,5 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger zu gewährleisten , die unter Post/Long-COVID oder ME/CF leiden (bitte einzeln und detailliert nach Zahlungsempfänger auflisten), und welche konkrete Strategie verfolgt die Bundesregierung, um die Betroffenen zu unterstützen und nach wirksamen Medikamenten forschen zu lassen?
Antwort
Die Bundesregierung setzt verschiedene Maßnahmen zur Unterstützung der von Long COVID und Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue Syndrom (ME/CFS) Betroffenen um. Bis zum Jahr 2028 fördert das Bundesministerium für Gesundheit die versorgungsnahe Forschung sowie die Versorgung von Kindern und Jugendlichen, die an Long COVID erkrankt sind, in zwei Förderschwerpunkten mit insgesamt 118 Millionen Euro (im Internet abrufbar unter www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/ressortforschung/handlungsfelder/forschungsschwerpunkte/long-/post-covid.html). In beiden Förderschwerpunkten wird ME/CFS ausdrücklich und durchgehend berücksichtigt.
Im Förderschwerpunkt des Bundesministeriums für Gesundheit „Erforschung und Stärkung einer bedarfsgerechten Versorgung rund um die Langzeitfolgen von COVID-19 (Long COVID)“ wurden für Projekte im Jahr 2025 und 2026 folgende Fördersummen bewilligt:
- „PAIS Care Berlin“, Fördersumme ca. 2.649 T EURO (2025), 3.109 T EURO (2026),
- „ACCESS“, Fördersumme ca. 442 T EURO € (2025), 634 T EURO (2026),
- „StiMECO“, Fördersumme ca. 208 T EURO (2025), 336 T EURO (2026),
- „DETECT-ME/CFS“, Fördersumme ca. 308 T EURO (2025), 288 T EURO (2026),
- „GRACI“, Fördersumme ca. 291 T EURO (2025), 170 T EURO (2026),
- „PROGRESS“, Fördersumme ca. 1.192 T EURO (2025), 1.192 T EURO (2026),
- „VALIDATE“, Fördersumme ca. 1.076 T EURO (2025), 1.554 T EURO (2026),
- „CLOCC“, Fördersumme ca. 954 T EURO (2025), 1.031 T EURO (2026),
- „INCAP“, Fördersumme ca. 2.002 T EURO (2025), 1.977 T EURO (2026),
- „EMOPOROM LCN“, Fördersumme ca. 550 T EURO (2025), 568 T EURO (2026),
- „LongCARE“, Fördersumme ca. 935 T EURO (2025), 989 T EURO (2026),
- „MAP-PCC“, Fördersumme ca. 115 T EURO (2025), 113 T EURO (2026),
- „Long-term post-COVID“, Fördersumme ca. 501 T EURO (2025), 529 T EURO (2026),
- „U-WATCH“, Fördersumme ca. 672 T EURO (2025), 629 T EURO (2026),
- „DEEP-LC“, Fördersumme ca. 479 T EURO (2025), 479 T EURO (2026),
- „prevCOV“, Fördersumme ca. 511 T EURO (2025), 500 T EURO (2026),
- „RegCM-PCS“, Fördersumme ca. 16 T EURO (2025), 63 T EURO (2026),
- „LongCovid-Diab“, Fördersumme ca. 147 T EURO (2025), 144 T EURO (2026),
- „MultiCARE“, Fördersumme ca. 677 T EURO (2025), 686 T EURO (2026),
- „Synosys.PC“, Fördersumme ca. 771 T EURO (2025), 790 T EURO (2026),
- „PCS-Journey“, Fördersumme ca. 221 T EURO (2025), 78 T EURO (2026),
- „PEXCARE“, Fördersumme ca. 120 T EURO (2025), 132 T EURO (2026),
- „PERCOLATE“, Fördersumme ca. 1.251 T EURO (2025), 1.290 T EURO (2026),
- „genomLC“, Fördersumme ca. 357 T EURO (2025), 373 T EURO (2026),
- „LC_Hip“, Fördersumme ca. 116 T EURO (2025), 107 T EURO (2026),
- „COVIDOM+“, Fördersumme ca. 2.461 T EURO (2025), 2.373 T EURO (2026),
- „REMIT“, Fördersumme ca. 892 T EURO (2025), 757 T EURO (2026),
- „COVICare-M-V“, Fördersumme ca. 1.031 T EURO (2025), 1.031 T EURO (2026),
- „HeloCo“, Fördersumme ca. 340 T EURO (2025), 393 T EURO (2026),
- „SCOPE-CARE“, Fördersumme ca. 146 T EURO (2025), 148 T EURO (2026).
Innerhalb des Förderschwerpunktes des Bundesministeriums für Gesundheit „Modellmaßnahmen zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Long COVID und Erkrankungen, die eine ähnliche Ursache oder Krankheitsausprägung aufweisen“ wurden für Projekte im Jahr 2025 und 2026 folgende Fördersummen bewilligt:
- „PEDNET-LC“, Fördersumme ca. 14.692 T EURO (2024-2025), 13.769 T EURO (2026),
- „NGK4Family“, Fördersumme ca. 23 T EURO (2025), 21 T EURO (2026),
- „COVYOUTHdata“, Fördersumme ca. 459 T EURO (2025), 747 T EURO (2026),
- „PedMYCVAC“, Fördersumme ca. 113 T EURO (2025), 123 T EURO (2026).
Um den Zugang zu Arzneimitteln im „Off-Label Use“ für Long COVID-Patientinnen und Patienten zu verbessern, wurde eine Expertengruppe Long COVID Off-Label-Use beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eingerichtet, die eine Liste von Arzneimitteln unter Berücksichtigung des wissenschaftlichen Erkenntnisstands und möglicher Risiken erarbeitet hat. Diese können außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete für den Einsatz bei Long COVID empfohlen werden und bei Übernahme dieser Empfehlungen durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in seine Richtlinie künftig für Long COVID-Patientinnen und Patienten auch außerhalb der Zulassung zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden.
Für eine bedarfsgerechtere medizinische Versorgung hat der G-BA am 21. Dezember 2023 eine Richtlinie über eine berufsgruppenübergreifende, koordinierte und strukturierte Versorgung für Versicherte mit Verdacht auf Long COVID und Erkrankungen, die eine ähnliche Ursache oder Krankheitsausprägung aufweisen, beschlossen (www.g-ba.de/beschluesse/6374/ sowie: www.gba.de/themen/long-covid/), die ab 1. Januar 2025 in der Versorgung wirksam geworden ist. Hierfür wurde der neue Abschnitt 37.8 mit fünf Gebührenordnungspositionen (GOP) in den einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommen. Es bestehen im EBM keine spezifischen GOPs für Krankheitsbilder und Symptome im Zusammenhang mit Post-/Long-Covid oder ME/CFS. Die Versorgung erfolgt wie bei anderen Erkrankungen auch über die bestehenden GOPs. Dementsprechend ist eine Aussage zur Inanspruchnahme entsprechender Leistungen sowie zu den hierdurch entstandenen Kosten für den ambulanten ärztlichen Bereich im Rahmen der Regelversorgung nicht möglich und auch die genannten Abrechnungshäufigkeiten der Long COVIDspezifischen Abrechnungspositionen liefern unter Umständen nur ein unvollständiges Bild.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt adressiert auf znterschiedliche Weise die Aufklärung der zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen von ME/CFS und Long-/Post-COVID auf der Grundlage des Rahmenprogramms Gesundheitsforschung der Bundesregierung. Es fördert im Rahmen der Projektförderung bereits zahlreiche Vorhaben zu ME/CFS bzw. Long-/Post-COVID. Die weitere Planung von Aktivitäten wird auch die, in den geförderten Projekten erreichten, Zwischenergebnisse einbeziehen, um auf dieser Basis ein erweitertes Verständnis der Erkrankung zu erreichen. Darüber hinaus unterstützt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt die Therapieforschung mit zugelassenen Arzneimitteln und Medizinprodukten mit der Förderung der Nationalen Klinischen Studiengruppe Post-COVID und ME/CFS an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Hier werden klinische Pilotstudien mit bereits zugelassenen Arzneimitteln und Medizinprodukten durchgeführt, deren Wirkung bei Long-/Post-COVID und ME/CFS erprobt werden soll.
Förderquoten für Wirkstoffentwicklungsstudien durch die Pharmaindustrie sind aufgrund des europäischen Beihilferechts meist bei 25 Prozent gedeckelt. Dies wird bei der Förderung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt in den Bereichen rote Biotechnologie und Wirkstoffforschung berücksichtigt. Entsprechende Ausschreibungen werden turnusmäßig veröffentlicht und sind regelmäßig querschnittlich und themenoffen angelegt. Der wesentliche Grund für das bislang geringe Interesse pharmazeutischer Unternehmen an der Entwicklung zielgerichteter Medikamente gegen Long-COVID und ME/CFS liegt in der bisher unklaren Pathogenese der Erkrankung sowie fehlender valider Biomarker.
